Being the RoverDie KoordinatenWas zum Kuckuck...Piece of cakeHelden wie sieFoto-Logbuch Teil IFoto-Logbuch Teil II
The Rover
Unternehmen Fitzcarraldo
Piece of cake
Achtung Achtung: der Blog www.beingrover.blogger.de   ist wieder reaktiviert!

Ab sofort werden dort wieder kleinere Rückblicke und Empfehlungen auftauchen, auch werd ich brav Fragen beantworten, und überhaupt sollte diese kleine lauschige Interaktiv-Ecke die Zukunft der Roverkommunikation sein, finde ich. Helft mir, wieder Schwung in den Laden zu bringen, ja?!


Attila the Stockbroker's Barnstormer

Und das Rover ein Hexenkesselchen


'Er ist eine... eine... Brustwarze !!!??' Das war einer der wenigen, aber sehr herrlichen Fehler, die Attilas Deutsch unterliefen - direkte Übersetzung englischer Schimpfwörter, die zuerst Verwunderung und dann große Heiterkeit auslösten.

Der Begriff 'Punk-Poet' ist leider - so unglatt er auch immer noch ins Ohr geht - schon etwas abgegriffen. In den meisten Fällen meines persönlichen Erfahrungsschatzes fand ich an den so Betitelten wenig Spachkunst und Wortgewandtheit, sofern man die Texte im Punkmantel aufgrund Lautstärke überhaupt verstehen konnte.
Das war diesmal anders.
Der nicht mehr blutjunge Engländer namens Attila spricht zunächst einmal nicht nur ein wohlgewähltes und -gefeiltes Englisch, sondern ein ebenso reich artikuliertes Deutsch. Er ist politisch, sehr politisch, aber mit welch einem Wortwitz und mit welch einem erfrischend klaren, relativierten Weltblick. In fließendem Deutsch mokiert er sich zwischen den Songs über Maggie Thatcher, den Golfkrieg, die DDR und jede Form von Fanatismus und  Hybris - und mit unaufdringlicher Selbstsicherheit zieht er die Zuschauer in seinen Bann.
Er verbreitet Feuer, ansteckendes Feuer. Und er ist witzig, seine Pointen sitzen tadellos. Er deklamiert mit flammender Überzeugung, redet sich in Rage, hebt sogar die Faust - und einige Leute tun es ihm schon nach - pflückt dann die geschossenen Pfeile aus der Luft wieder herunter und wechselt zu einer leichtherzigen, selbstironischen persönlichen Geschichte. Er unterhält. Er hat Charme. Und Liebenswürdigkeit.
Er dichtet, auf Englisch und auf Deutsch, sauber gereimt, schwungvoll und rhythmisch - es ist tatsächlich Poesie, das ist Poetry Slam erster Klasse. Es ist aber gleichzeitig auch Punk, nur, wenn er Schimpfwörter einsetzt, wenn seine Ausdrucksweise rauer, seine Stimme gutturaler wird, dann hat das eine andere Qualität, einen anderen Gehalt und darum eine viel größere Durchschlagskraft als bei Punk gemeinhin üblich.
Und die Musik.
Punk ist dafür ein unzulänglicher Begriff, genauso, wie man ihn nicht als einfachen Punk-Poeten bezeichnen kann.
Er beginnt den Gig, indem er auf zwei keltischen Flöten zugleich spielt, Sekunden später sind die Flöten fort und er spielt stattdessen Geige, gar nicht schlecht und immer noch desgleichen Celtic-style. Dann setzt das Schlagzeug mit einem stampfenden Marschrhythmus ein, March of the Levellers, die Gitarre durchbricht punktuell die Folklastigkeit mit brachialem Garage-Sound und legt sich schließlich drängend und fordernd auf den Rhythmus des Schlagzeugs.
Und dann geht der Kelten-Punkrock ab, ich kann es Euch sagen. Die Leute verlieren völlig den Kopf. Und nach dem Song wieder politische Kritik.
Hm.
Wer hat schon mal gesehen, wie tanzwütig entfesselte Punkfans sich von einer Minute zur anderen zum stillsten Zuhören bewegen lassen? Wie Attila das macht? Er macht nichts.
Er ist ein Magnet, er hat die Leute mit der größten Natürlichkeit im Griff, er ist die Souveränität in Person. Er kannte Joe Strummer persönlich, damals, Wurzeln des Punk und so weiter, und das haftet auch an Attila, immer noch, Joes Gegenwart und die Gegenwart dieser Zeiten sind greifbar nahe, es macht einen beinahe ehrfürchtig.
Einen Song auf Joe Strummer gibt er gleich im Anschluss zum besten, und macht man die Augen zu und hört auf seine Stimme und den Text, ist die Ähnlichkeit schier zum Verwechseln.
Weiter im Programm.
Einen 'Anti-T-Rex-Song' hat er geschrieben, obwohl er zugibt, T-Rex immer noch  irgendwie zu mögen, Nostalgie oder so, aber diese saublöden Texte - 'Hippie-Scheiß! Hippie-.... Onanie!!' - verdienen eine Parodie, die wir auch zu hören bekommen.
Themawechsel.

Zu Unehren Maggie Thatchers bemüht er eine Bassblockflöte. Für Maggie hat er übrigens bereits eine Post-Mortem-Mitsing-Feier-Hymne angefertigt und freut sich schon darauf, wenn diese endlich ihren Zweck erfüllen darf. Wir bekommen diesen Song prae-mortem zu hören. Damit wir den Text schon mal üben können.
Themawechsel.
Wir erfahren, zwischen '86 und '89 ist Atttila viele Male in der DDR aufgetreten, hat dort sein Deutsch ausgefeilt und sogar einen deutschsprachigen Song auf 'die Große Freiheit' (im doppelten Sinne des Begriffs) nach der Wende verfasst. Aus dem Munde des so weltgewandten Engländers Attila trifft uns die Ausdruckskraft des Songs zielsicher ins deutsch-gestörte Mark...

Düstere Metal-Akkorde, keltische Folklore, Alternative Rock, Ska, Punk - ausufernde Gitarrensoli, Einlagen von Instrumenten aller möglicher Ursprünge, Marschrhythmen, beatles-artige, engelsreine Kopfstimmen-Chöre und ein wahnsinnig guter Gesamt-Sound halten Spannung und Stimmung im Raum dem variierenden Ton der Texte und Geschichten gemäß unermüdlich aufrecht.

Am Ende, zur dritten Zugabe, noch ein Gedicht. Das Publikum will ihn um keinen Preis gehen lassen, wir wollen dieses Erlebnis am liebsten noch stundenlang ausdehnen... Wir klammern uns an diese Atmosphäre, diese Energie, diese Gegenwart...
Ehrlich: ich habe mich noch nie so politisch gefühlt, noch nie so politisch erfüllt...
Auf die Gerechtigkeit, Cheers! :)




Ein ziemlicher Roman, der kein Rückblick werden konnte, weil er zu sehr ein Liebesbrief werden musste


Ich würde am liebsten ein Gedicht daraus machen, denn es war ein Gedicht. Alles. Aber es fällt mir nach dem Wochenende schon schwer genug, überhaupt meine Eindrücke zu sortieren: Herz voll, Kopf leer.

Der Freitag des 'Wiedereröffnungswochenendes Teil 1' war der erste Tag, auf den wir uns durch Umbau und akute Sommerlochness mühsam, doch hoffnungsvoll zugeschlängelt hatten - wie gewohnt geht dann im Endspurt noch einiges schief und proportional dazu vorübergehend die Moral etwas in die Knie und das seelische Gleichgewicht aus den Fugen. Wir fühlten uns also ungefähr so, wie das Rover aussieht. Das ist nichts als Hysterie, immerhin kennen wir diese alljährliche Phase und im entscheidenden Augenblick kommt immer die Rettung.

Dass wir nun seit ein paar Jahren eine Band kennen dürfen, die genau so heißt - 'Die Letzte Rettung' - kann da ein Zufall sein. Aber wer mag an sowas schon glauben.
Denn die Letzte Rettung trägt nicht nur einen fatalen Namen, sie nimmt ihre Mission überdies auch sehr ernst und füllt ihre Rolle in jeder Hinsicht mehr als aus.

Je besser ich das weiß und je länger ich sie kenne, desto unmöglicher wird es für mich, einen objektiven Rückblick zu schreiben. Darum versuche ich es nun auch erst gar nicht.
Es ist mir sogar ehrlich gesagt ziemlich egal, ob jemand Außenstehendes das lesenswert finden wird oder nicht - es ist mir ein Bedürfnis, das an die entsprechenden Leute loszuwerden und wozu habe ich schließlich die Homepage. :)


Fatal Friday, the 4th of August

Rory und ich dachten eigentlich, wir schlagen uns ganz wacker - aber um der letzten Rettung etwas vorzumachen,  bedarf es mehr. Die Jungs enterten das Rover, überblickten gleich Lage und Zustand, schlossen uns herzlich und fest in ihre rettenden Arme, packten uns souverän in ihr Rettungsboot - und von da an fühlten wir uns wie liebe Gäste im eigenen Wohnzimmer.
Da wurde um uns herum liebevoll und detailreich dekoriert, eine friedvoll festlich-fröhliche Weihnachtsstimmung breiteten sie aus, während wir zunächst zuschauten, dann immer größere Bauklötze staunten. Die drei hatten einfach keine Mühen gescheut und wirkten dabei, als wäre es ihnen selbst die größmögliche Freude, uns und ihren Fans eine Freude zu machen. So sind sie.


Dann folgte der Soundcheck...

Wie Matusa sein Keyboard entdeckte, konnten die Fans leider noch nicht miterleben - es war eine Show in itsself. Wir haben literweise Tränen gelacht (ha - darum mussten wir auch später so viel Bier trinken, ganz ausgetrocknet waren wir). Er selbst schien von den Ergebnissen seiner grenztonalen Versuche mindestens so überrascht wie wir - wie er seine Songs notdürftig, doch irgendwie entwaffnend staunenden Kinderauges mit teilweise grauenhaft unpassenden Standard-Rhythmen unterlegte, die entweder schwül-schwul nach schlechtem Soft-Porno oder pseudo-schnalz-jazzig nach Mafish klangen, zu denen er dann halsbrecherisch und gnadenlos schmerzfrei seine Nummern anstimmte, um am Ende mit huldigungsheischend-triumphalem Augenbrauenhochziehen in einen dreiminütigen Schlussakkordrausch zu eskalieren, war so grandios und so grandios komisch, dass wir ihm stehenden Fusses einen Solo-Abend versprochen haben.
Es folgten Beamer- und Leinwandtests, Ausschnitte aus sorgsam zusammen geschnipselten Videos, mit einfachsten Mitteln, aber voller origineller Ideen - und immer wieder gespannte Blicke zu Rory und mir, ob alles so gelungen war wie sie glaubten. Ja, das war es! Aufgewühlt, wie wir von den letzten Monaten waren, konnten wir unserer Rührung zuweilen kaum noch Herr werden.


Und dann ging der Abend ja erst richtig los...

Reinhörparty zur ersten CD! Alle Fans waren da, der Laden brummte nur so und die ausgefallene und etwas riskante Idee, überhaupt nicht live zu spielen, sondern die Show durch die CD, Videos und Intermezzos (schwules Keyboard, Ansagen, bizarre Verlosungen: z.B. Matusa als Staubsauger zu gewinnen, btw. - Bailly, war die 76 auf deinem T-Shirt eigentlich auch eine Losnummer?) am Laufen zu halten ein gewagtes Projekt.
Das funktionierte. Was die Rettung anpackt, funktioniert immer.
Auf der Leinwand im richtigen Moment der Mitsing-Hymnen unvermittelt ein schriftliches ICH KANN EUCH NICHT HÖREN! - und die Leute singen. Es folgt ein schriftliches LAUTER! - die Leute singen lauter.
Atmosphäre und Songs sind einfach zu mitreißend fröhlich-punkig, die deutschen Texte zu haarsträubend selbstironisch, die Retter selbst und ihre Mannen und Frauen viel zu sehr in ihrem Element - dem natürlichen Entertainment - als dass irgendetwas im Sande ver- oder auf dieser Spielwiese in die Irre laufen könnte.
Dass die Rettung ihre CD schließend in die Endlos-Schleife schickte, war dann auch immer noch nicht zu viel des Guten, denn, 'Habt Ihr schon genug, wollt Ihr schon nach Hause gehn...?' , nein!, 'wir ham noch lange nicht, noch lange nicht genug, wir wolln die Letzte Rettung sehn...' .
Sie verstehen es zweifellos, eine Party zu schmeißen.
Feierabend stand auf dem Plan der drei auch noch lange nicht, als finalen Coup hatten sie im Gegenteil noch ein ganz besonderes Geschenk für uns: sie entließen die Thekenbelegschaft in den Vorruhe- bzw Nachfeierstand, indem sie unsere Arbeit kurzerhand übernahmen, und brachten uns anzunehmenderweise den Umsatz unseres Lebens ein, weil sie die Bierpreise nicht kannten ('Was kostet ein Bier? Egal, sagen wir drei Euro' - etwas später hörte ich irgendwo schon 3,60...). Wir besetzten derweil unter Anfeuerungsrufen und ziellosen Richtungsweisungen die Thekenfront, die aus dieser Perspektive und mit den Leuten dahinter so ungleich schöner aussah als sonst... wie auch alles auf einmal ungleich schöner war als vorher...
Was für ein Abend.
Einer, der viel zu schnell zum Morgen wurde. Als das kalte Morgengrauen uns packte und von den letzten Klängen der Pyromanix CD löste (ja, Norbert - ich fand auch, dass die unbedingt in diese Nacht hineingehörte, sie hat ja quasi bereits ihre eigene Mini-Tradition...), und als Frank und ich Rick aus dem Rover getragen hatten, war es immer noch nicht genug, eigentlich, irgendwie...
Jedenfalls summte es mir in meinem Kopf noch zwei Stunden später vor 'habt Ihr schon genug...?'...

Gut, dass man die Erste-Hilfe-Päckchen noch hatte, die von der letzten Rettung an die Gäste verteilt worden waren - die denken eben einfach an alles! - mit dem Dreieckstuch über den Augen konnte man sogar bei Tageslicht etwas schlafen, und zum Frühstück gabs dann als Aufbaukost lecker Rettungsplätzchen. Einzige Beanstandung des ganzen Abends: könnt Ihr die auch salzig? :O)


Liebe Rettung...

Wir sind nicht nur Euch gerne Familie - Ihr seid es uns auch. Wenn es irgendjemanden gibt, der uns an diesem Freitag dazu bringen konnte, endlich mal loszulassen und festzustellen, dass es etwas zu feiern gibt, dann seid das Ihr!
Niemand anders als Ihr hätte diesen ersten Termin des ersten Wiedereröffnungswochenendes übernehmen dürfen und können - ich hab Euch ja schon eine Mail geschrieben, ich sags hier aber jetzt noch mal:

DANKE!!!




Piece of cake